Wie beeinflusst das Einwanderungsrecht die Konstruktion von Geschlechterrollen? Die Situation von jüdischen Flüchtlingen in Großbritannien und in den USA im Vergleich

Christine Hartig

Der geplante Beitrag beleuchtet den Einfluss von Immigrationsgesetzen auf die Konstruktion von Geschlechterrollen. Großbritannien und die USA differierten bekanntermaßen in der Einwanderungsgesetzgebung und in ihrer Politik gegenüber jüdischen Flüchtlingen aus dem nationalsozialistischen Deutschland. Während in Großbritannien Flüchtlinge zumeist ein beschränktes Aufenthaltsrecht ohne Arbeitserlaubnis erhielten, kannte das amerikanische Einwanderungsgesetz kein politisches Asyl. Jüdische ImmigrantInnen wurden dort als dauerhafte EinwanderInnen betrachtet, die den allgemeinen Einwanderungsgesetzen genügen und die Sicherung ihres Lebensunterhaltes nachweisen mussten. Trotz der unterschiedlichen gesetzlichen Ausgangslagen spielte in beiden Ländern die Frauenerwerbstätigkeit unter den ImmigrantInnen eine große Rolle, da Frauen oft zuerst Arbeit fanden. Wie wurde eine solche Neuverteilung familiärer Aufgaben in den USA und in Großbritannien bewertet, welche Rolle spielten die differierende Gesetzgebung und welchen Einfluss besaßen die unterschiedlichen gesellschaftlichen Vorstellungen in den Immigrationsländern für die ImmigrantInnen selbst? Diesen Fragen wird anhand zeitgenössischer Publikationen nachgegangen. Es kann gezeigt werden, dass obgleich die USA die Erwerbstätigkeit von MigratInnen weniger durch Gesetzte limitiert wurde, eine rigide Durchsetzung von Geschlechtervorstellungen zu einer Problematisierung familiärer Rollenvorstellungen und zur Infragestellung einer generellen ‚Anpassungsfähigkeit‘ von migrantischen Familien führte, während in Großbritannien Frauen durch ihre Arbeit mitunter sogar eine Aufwertung ihrer familiären wie sozialen Position erfahren konnten.