Stationen des Exils – Masculinities in Joseph Roths Erzählungen

Andreas Enderlin

Als Joseph Roth seine Erzählung „Die Rebellion“ niederschrieb, gelang es dem aus Galizien stammenden Autor auf faszinierende Weise, die soziale Dimension von „male gender“ einzufangen. Anhand des Schicksals des Kriegsinvaliden Andreas Pum beschrieb Roth eine gesellschaftliche Entwicklung, die sich nach dem Ersten Weltkrieg in Österreich vollzog: Kriegsbeschädigte wurden aufgrund ihrer Arbeitsunfähigkeit, einem essentiellen Attribut damaliger Männlichkeitsvorstellungen, zu Männern zweiter Klasse (innere Genderhierarchie). Spätestens ab 1933 zählt Joseph Roth zu den Exilautoren, doch seine gesamte Biographie ist geprägt von Leben im Exil. Die zahlreichen Querelen mit Exilverlagen betonen darüber hinaus seinen Status als Exilautor.

Ausgehend von Roths Wahrnehmung von Gender untersuche ich ausgewählte Werke des galizischen Autors aus dem Zeitraum 1924-1938 auf die Darstellungsformen von Gender, speziell Männlichkeiten, und ihre Verknüpfung mit „Exil“ vor dem theoretischen Hintergrund der Intersektionalität.

Als leitender Referenzrahmen dienen die unterschiedlichen Stationen seines Exils (1920 Berlin, 1927 Frankreich, 1933 „permanentes Exil“ in Frankreich, Niederlande, Belgien), das in den Erzählungen mitunter biographisch thematisiert wird. „Doing Gender“ wird hier über das Verfassen der Erzählungen beziehungsweise die Konstruktion von Figuren betrieben, es geschieht somit auf der sprachlichen Ebene.

Die vergleichende Analyse der Werke richtet somit den Fokus auf unterschiedliche Genderdarstellungen im Zusammenhang mit der Erfahrung des Exils und den verschiedenen Stationen von Joseph Roths persönlichem biographischen Exil.

Ausgewählte Werke zur Analyse:
Die Rebellion (1924)
Flucht ohne Ende (1927)
Hiob (1930)
Tarabas (1934)
Beichte eines Mörders (1936)
Kapuzinergruft (1938)

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