Sekundäre Berufswahl nach Emigration: immer noch geschlechtsspezifisch?

Irina Gewinner

Die Berufswahl stellt eine der existenziellen Lebensentscheidungen jedes einzelnen Menschen dar, da sie weitere Trajektorien der Lebensläufe von Individuen maßgeblich bestimmt. In den Zeiten der Destandardisierung und Pluralisierung dieser Lebensläufe im Kontext des immer mehr an Bedeutung gewinnenden lebenslangen Lernens bedeutet die Berufswahl nicht mehr eine Entscheidung fürs Leben, prägt allerdings einen wichtigen Lebensabschnitt der Menschen (Beinke 2006). Das Geschlecht spielt im Prozess der Berufswahl eine zentrale Rolle, indem es in den Zeiten der Emanzipierung der Frauen und des sozialen Wandels immer noch bestimmt, welche Berufe als männlich oder weiblich gesellschaftlich angesehen und konnotiert werden (Golisch 2002, Buchmann/Kriesi 2012).

Was passiert jedoch, wenn Individuen aus familiären Gründen gezwungen sind, zu migrieren? Die bisherige Forschung hat sich auf berufliche Mobilität aus der Perspektive der Statusverbesserung konzentriert und bereits gut eruiert, dass monetäre Anreize eine geeignete Erklärung für Migration darstellen (Lee 1966, Raghuram 2013). Durch die Verlagerung der Diskussion auf internationale Mobilität haben die jüngsten Studien allerdings die individuellen Auswirkungen der gezwungenen Migration wie zum Beispiel sekundäre Berufswahl, soziale Inklusion und Partizipation weniger beachtet. Dieser Beitrag thematisiert sekundäre Berufswahl und (geschlechtsspezifische) Anpassungsstrategien von russischsprachigen Frauen in Deutschland und wendet intersektionellen Ansatz zwischen Migration, Geschlecht und sozialer Herkunft an.

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