‚Populäre’ Unterhaltung der Refugees im New York der 1940er: Performing Gender makes a Living (?)

Susanne Korbel

Die Unterhaltungsszene, die sich in den späten 1930ern und 1940ern an der East und West Side in Upper New York (um den Central Park) etablierte, ist ein paradigmatisches Beispiel für die Vielschichtigkeit der Aushandlung von Flucht/Migration. Zu den neu entstehenden „Wiener Kaffeehäusern und Lokalen“ gehörten fast immer auch kleine Bühnenbereiche, auf denen die Stars im Exil auftraten. Altbekannten Stücke wurden an die neuen Lebensbedingungen adaptiert und dienten als Raum zur Diskussion (geschlechts-)politischer und sozialer Gegebenheiten: Die neuentstehenden Bühnenwerke sind dabei überaus anschauliche Beispiele jenes komplexen Prozesses des „Mitnehmens“ und Neuverhandelns von Kultur/en im „Exil“, der als kulturelle Übersetzen beschrieben wird.

Aufschlüsse über sozioökonomische Wahrnehmungen des Alltags verspricht ein Blick auf die kulturellen Übersetzungen von Rollen: So kann skizziert werden „wie aus der Mitzi eine Mary wird“ oder die Figuren aus (österreichischen) Kultoperetten in New Yorker ausgestattet zu sein hatten. Wie Geschlecht und Geschlechterverhältnisse inszeniert wurden und welche Rückschlüsse auf das Aushandeln von Identitäten im Kontext von Migration und Flucht gezogen werden können, analysiert der Beitrag anhand von Nachlässen (u.a. bestehend aus Textbücher, Noten- und Bildmaterial) und selbstdurchgeführten Interviews.

Das Bild des Exiltheaters und -cabarets ist meist eines der männlichen Protagonisten, die als Verfasser der Stücke sichtbar werden. Unsichtbar blieben dahingegen die Frauen, die als Schauspielerinnen, Sängerinnen – Akteurinnen – die kulturellen Übersetzungen (mit) auf die Bühnen New Yorks brachten. Einen Schritt zur Sichtbarmachung soll die Kontextualisierung der Interviews darstellen.

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