„Man Athirst“. Queere Erinnerungen aus der britisch-indischen Internierung

Margit Franz

Der Beginn des Zweiten Weltkrieges in Indien schuf eine historisch einzigartige Situation: die gemeinsame Internierung von Nationalsozialisten und vom Nationalsozialismus Verfolgte. Die gut organisierten und über die gesamte Dauer des Krieges internierten Mitglieder der Auslandsorganisation der NSDAP, deren Führer und Gauleiter Urchs zudem in allen Internierungslagern Sprecher aller Internierten war, bildeten ein Regime von Männerbündelei, Konkurrenz- und Gruppendenken, Hierarchie, Sportsgeist und Körperertüchtigung. Diese spezielle Situation der Internierung bestimmte auch die Erinnerungsliteratur weit über die Nachkriegsjahre, die geprägt war von Erzählungen ehemaliger Nationalsozialisten.

Durch jüngste Forschungen treten nun andere Narrative ans Licht. Während Fritz Kolb in seinen Internierungserinnerungen Leben in der Retorte in Tradition der Sexualreform der Zwischenkriegszeit offen über Sexualität und Begebenheit der Nähe und Zuwendung in der Internierung erzählt und noch paternalistisch über homosexuelle Mitinternierte berichtet, eröffnet der unveröffentlichte Gedichtband des österreichischen Sozialisten, Journalisten, Kunstmanagers und nachmaligen Theaterregisseurs Charles Petras (zuvor Karl Petrasch, Carl Petras) Man Athirst eine weite emotionale Landschaft des Internierten fern von damaligen Männlichkeitsvorstellungen, körperlicher Ertüchtigung, Kumpanei und Kameradschaft.

A man athirst for years I am
In a human desert,
Where life is nothing else than sham,
One’s mind by trifles bothered.
Thus for a friendly day I wait,
A cheering morrow’s sun.
This lonely, wretched life I hate,
Be hurt by men I shun.