Lebensentwürfe Wiener jüdischer Fotografinnen im Exil

Iris Meder, Andrea Winklbauer

In der Ersten Republik waren Wiener jüdische Fotografinnen maßgeblich für das mediale Bild des österreichischen Kultur- und Gesellschaftslebens verantwortlich – die Bildstrecken der Wiener, aber auch vieler deutscher Lifestyle-Magazine waren zu großen Teilen mit ihren Aufnahmen bestückt. Mit der Emigration erfuhr ihre Tätigkeit einen radikalen Bruch. Manche schufen sich im Exil wieder ein Standbein mit Portraits emigrierter KünstlerInnen, Intellektueller und WissenschaftlerInnen. Nur wenigen gelang es, Anschluss an die geänderte Bildsprache der Nachkriegszeit zu finden. Ausnahmen bildeten Fotografinnen, die erst in der Emigration anfingen, professionell zu arbeiten, und Reportage-Fotografinnen, die sich schon in Wien mit aktuellen Avantgarde-Strömungen auseinandergesetzt hatten. Einige orientierten sich in ihrer fotografischen Arbeit mehrmals mit beachtlichem Erfolg völlig neu, verlegten sich auf filmisches Arbeiten oder erschlossen sich ganz andere Tätigkeitsfelder. Manche gaben die Fotografie hingegen im Exil fast vollständig auf. Viele blieben unverheiratet, bei auffallend vielen Fotografinnen scheiterten eine oder mehrere Ehen. Anhand einiger Beispiele sollen die verschiedenen weiblichen Lebensentwürfe emigrierter Wiener Fotografinnen sowie deren Adaptionen infolge der Emigration beleuchtet werden.