Karl Farkas im amerikanischen Exil

Katharina Strasser

Karl Farkas (1893-1971) gilt als einer der wichtigsten österreichischen Schauspieler und Kabarettisten des 20. Jahrhunderts. In Erinnerung geblieben ist Farkas vor allem durch sein Wirken und Schaffen seit den 1950er Jahren im Kabarett „Simpl“, dessen künstlerische Leitung er innehatte.

Weniger bekannt sind die Geschichte seiner Flucht vor dem NS-Regime und die anschließenden Jahre seiner Emigration in Amerika. Am Abend des 10. März 1938 fand die letzte gemeinsame Vorstellung von Karl Farkas und Fritz Grünbaum im „Simpl“ statt. Karl Farkas war zu diesem Zeitpunkt 45 Jahre alt und ein gefeierter und gutverdienender Bühnenstar. Im letzten Augenblick gelang ihm die Flucht, die ihn über die Tschechoslowakei, Frankreich, Spanien und Portugal in den rettenden Hafen von New York führte. Seine Frau war auf Grund der Beeinträchtigung des gemeinsamen Sohnes Robert, er hatte in jungen Jahren eine Gehirnhautentzündung, gezwungen in Frankreich zurück zu bleiben.

1946 kehrte Farkas schließlich nach Österreich zu seiner Familie zurück und nahm seine Arbeit als Autor und Schauspieler in Wien wieder auf. Über seine Erfahrungen auf der Flucht und im Exil sprach er zeitlebens kaum.

Bislang kaum beachtet scheint die Frage, inwiefern die Flucht auch eine Zäsur in Farkas‘ Selbstverständnis als Mann darstellte. Vor dem Einmarsch der Nazis gab der Bühnenstar den Familien-Ernährer, aber die männliche Handlungssouveränität bricht bereits im Augenblick der Katastrophe zusammen. Dokumente und Berichte belegen, dass es allein seiner Frau Anni Farkas zu verdanken ist, dass Farkas rechtzeitig fliehen konnte. Im Exil brach der Kontakt zur Familie vollständig ab. Während Anni Farkas mit dem gemeinsamen Sohn in der Tschechoslowakei überlebte, schlug Farkas sich in den USA als Bühnenkünstler durch und begann dort auch eine Affäre mit einer Schauspielerin – eine Erfahrung, die er wohl mit anderen Exilanten teilte. Zu befragen wäre in diesem Zusammenhang, inwiefern die politische Krise und das Exil traditionelle Geschlechterrollen ins Wanken brachte und wie sich dies auf die konkrete Situation der Beteiligten auswirkte.