Handlungsspielräume und Raumerfahrungen der Geschlechter im Exil

Veronika Hofeneder

In meinem Beitrag möchte ich den Zusammenhang zwischen Geschlecht und Raum in den Blick nehmen. Gerade in der Exilliteratur werden zahlreiche Orts- und Raumwechsel verhandelt, die neben Verlusterfahrungen gerade Frauen auch neue Handlungsspielräume mit neuen Identifikationsmustern ermöglichen. Basierend auf raumsoziologischen Überlegungen, die Raum als dynamisiertes Konzept auffassen und diesen als Ergebnis sozialer Beziehungen und Handlungen definieren (grundlegend Löw 2001), möchte ich literarische Schauplätze des Exils untersuchen, an denen bisherige Ordnungen in Frage gestellt und veränderte Rollenzuschreibungen ermöglicht werden. Das können konkrete Städte sein, aber auch Hotels, Bahnhöfe, Häfen, Züge, Schiffe usw.

Als Textgrundlage möchte ich Romane von Autoren und Autorinnen heranziehen, auch um deren möglicherweise unterschiedliche Herangehensweisen und Darstellungsformen geschlechtlicher Rollenkonstruktion zu untersuchen. Eine erste Auswahl könnte Romane umfassen wie Vicki Baums Hotel Shanghai (1939), Hotel Berlin (1944), Alice Penkalas Schokolade für das Afrika-Corps [1940er] (2016), Hilde Spiels Lisas Zimmer (1961), Erich Maria Remarques Die Nacht von Lissabon (1962) und Klaus Manns Mephisto (1936).