Beruf: Arztensgattin?

Barbara Sauer

Die Verfolgungs- und Entrechtungsmaßnahmen nach dem „Anschluss“ Österreichs an das Deutsche Reich führten zu einer massiven MedizinerInnenemigration. Wie die Ergebnisse des laufenden Forschungsprojekts „ Ärzte und Ärztinnen in Österreich 1938-1945. Entrechtung, Vertreibung, Ermordung“ zeigen, befand sich unter den aus „rassischen“ Gründen verfolgten ÄrztInnen rund ein Sechstel Frauen, von den rund 3.000 betroffenen Männern war der Großteil verheiratet. Hinsichtlich deren Ehefrauen gab es eine große Palette unterschiedlicher Modelle, nämlich Kolleginnen im Arztberuf, Krankenschwestern oder in gänzlich anderen Bereichen tätige ebenso wie nicht erwerbstätige Frauen.
In dieser Studie wird besonderes Augenmerk auf diejenigen gelegt, die als Assistentinnen, Sekretärinnen, Sprechstundenhilfen ihrer Ehemänner tätig waren. „Arztensgattin“ galt als durchaus gängige Berufsbezeichnung und entsprach auch dem Selbstverständnis der Betroffenen. Versuchten diese allerdings in den 1960er-Jahren eine Entschädigung von der Republik Österreich für den durch die erzwungene Emigration erlittenen Berufsverlust zu erhalten, mussten sie nachweisen, dass ihre Tätigkeit das Ausmaß der „üblichen Mithilfe“ überstiegen hatte, was in vielen Fällen kaum möglich war. Nach der Rechtslage der 1930er-Jahre hatte es nicht nur eine Verpflichtung der Ehefrauen zu derartiger Mithilfe gegeben, sondern auch keine Versicherungspflicht für sie, weshalb keine diesbezüglichen Unterlagen herangezogen werden konnten.
Dieser gender-spezifische Aspekt der „Entschädigung“ zwangsexilierter Österreicherinnen soll rechtshistorisch sowie anhand von Beispielen beleuchtet werden.