An wen erinnert sich Mnemosyne? Geschlechterspezifische Erinnerungspolitik des spanisch-republikanischen Exils in Mexiko

Marion Röwekamp

Der Vortrag wird sich der Frage widmen, warum welche Frauen, die sich in der Zweiten Spanischen Republik und dem Spanischen Bürgerkrieg in der Öffentlichkeit einen Namen gemacht hatten, im Exil erinnert wurden und welche nicht. Und in einem zweiten Schritt, für welche ihrer Leistungen sie erinnert wurden und für welche nicht. These ist, dass die überwiegend von Männern und in der ersten Generation auch verschiedenen Parteiorganisationen definierte Erinnerungsgemeinschaft nur an die Frauen gedachte, die für die Erinnerung an den Kampf im Bürgerkrieg nutzbar gemacht werden konnten wie die Kommunistin Dolores Ibárruri, die mit ihrem Satz „¡No pasarán!“ für den Kampf um Madrid gewürdigt wurde. Frauen wie Victoria Kent, Clara Campoamor, Concha Peña und Julia Álvarez als Kämpferinnen für gleiche Rechte von Frauen in der Zweiten Republik in Spanien waren dagegen in Presse und Öffentlichkeit extrem präsent, tauchen aber in den Erinnerungen an die Zweite Republik nur am Rande auf. Andere wie Margarita Nelken wurde dagegen nicht für ihren Kampf für die Rechte von Frauen erinnert, sondern für ihre Arbeit als Literaturkritikerin. Die Abstufung innerhalb der (fehlenden) Erinnerung an die Frauen erfolgte – so meine These – nach dem Prinzip des unbedingten Eintretens für den Feminismus und ihrer Konformität als Frauen in der Öffentlichkeit im Allgemeinen.

Letztlich zeigt die Erinnerungspolitik der Republikaner, dass – wie Emilienne Morin, die Witwe von Buenaventura Durruti, es formulierte – die „Spanier nie etwas übrig hatten für die Befreiung der Frau.“ So kann die „ungleiche“ Erinnerungspolitik an die Frauen letztlich als Fortsetzung der halbherzigen Bemühungen um die Gleichberechtigung für Frauen sowohl in der Republik, aber auf jeden Fall in der Erinnerung des Exils gelesen werden. Man hatte Frauen die Gleichberechtigung erteilt, weil das Teil des westlichen Programms von Demokratie entsprach, aber nicht, weil dahinter die Überzeugung stand, dass Frauen und Männer gleichberechtigt waren.